Mehr Fisch verbessert das Gedächtnis im Alter

Wer im höheren Alter wenigstens eine Fischmahlzeit pro Woche mit einem guten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren isst, kann offenbar einem schlechten Gedächtnis vorbeugen.

 

Zu den typischen Altersprozessen gehört der Gedächtnis-Verlust und stärkere Denk- bzw. Konzentrationsprobleme. Von den Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) aus Fischölen ist bekannt, dass sie die Gehirnfunktionen positiv beeinflussen. Vor allem die DHA (Docosahexaensäure) gehört zu den wichtigsten strukturellen Bestandteilen des Gehirns. In einigen epidemiologischen Studien zeigte sich die Bedeutung von Fischmahlzeiten und Omega-3-Fettsäuren bei der Vorbeugung der Demenz. Doch bisher gibt es nur wenige Untersuchungen, die sich auf die Beziehungen zu verschiedenen Arten von kognitiven Fähigkeiten richteten. Ein Forscherteam aus den Niederlanden und den USA verglich daher im Rahmen einer US-amerikanischen Alters-Studie (Rush Memory and Aging Project) die Gedächtnis-Funktionen von regelmäßigen Fischessern im Vergleich zu Teilnehmern, die seltener Fisch aßen. Dabei waren Fisch-Hauptmahlzeiten und Fisch-Snacks incl. Meeresfrüchte einbezogen.

 

915 Personen im höheren Alter (ab 75 Jahren, ohne Demenz) nahmen rund fünf Jahre lang an der Studie teil und gaben Auskunft über ihre Ernährung. Die regelmäßigen Fischesser aßen im Durchschnitt zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Die Gruppe der seltenen Fischesser kamen dagegen im Durchschnitt nur auf 0,5 Fischmahlzeiten pro Woche. Bei allen Teilnehmern wurden mit verschiedenen Tests die kognitiven Leistungen geprüft. Dabei wurden das episodische, semantische und kurzzeitige Gedächtnis sowie die Geschwindigkeit der Wahrnehmung und das visuell-räumliche Vorstellungsvermögen untersucht. In den folgenden rund fünf Jahren wurden die Ernährungs-Befragungen und die kognitiven Tests jährlich wiederholt.

 

Die Auswertungen zeigten, dass der regelmäßige Verzehr von Fischmahlzeiten mit einem geringeren Abbau im semantischen Gedächtnis (verbale Informationen) und in der Schnelligkeit der Verarbeitung (z.B. beim Vergleich von Buchstaben, Objekten und Mustern) verbunden war. Andere Gedächtnisfunktionen waren nicht mit den häufigeren Fischmahlzeiten verbunden. Weitere eventuell beeinflussende Faktoren, Geschlecht, Alter, Bildung, kognitives Training, Sport, Alkoholkonsum, Rauchen und die täglichen Energieaufnahmen wurden in die Analysen einbezogen. Sie veränderten die Ergebnisse jedoch nicht. In einer weiteren Untersuchung zeigte sich, dass die Schutzwirkungen von häufigeren Fischmahlzeiten bei den Teilnehmern stärker ausgeprägt waren, die den relativ verbreiteten Genotyp APOE-ε4 hatten. Man weiß, dass dieses Gen die kognitiven Funktionen beeinträchtigen und das Risiko für die Alzheimer-Erkrankung erhöhen kann. Rund 20 % der Bevölkerung haben dieses Gen, allerdings wird nicht jeder darunter an Alzheimer erkranken.

 

Die Forscher ziehen aus den Ergebnissen das Fazit: Zu den wirksamen Schutzfaktoren für ein gutes Gedächtnis gehören wenigstens eine Fischmahlzeit pro Woche mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren. Sie können vermutlich vor dem Gedächtnisabbau im Alter schützen bzw. ihn verringern. Für die Forscher ist damit klar: Jeder Mensch kann etwas tun, um den Abbau der Gehirnfunktionen im Alter zu begrenzen.

Unser Tipp: Wer z.B. Fisch nicht mag, nur selten oder gar nicht isst, kann die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA mit Nahrungsergänzungen aufnehmen. Angeboten werden verschiedene Dosierungen, EPA und DHA kombiniert (wie in natürlichen Fischölen), aber auch einzeln bzw. in bestimmten Konzentrationen. Bei guter Qualität werden mögliche Schwermetall-Belastungen oder Verunreinigungen durch Verarbeitungsprozesse aus den Fischölen entfernt. Und natürlich wirken Omega-3-Fettsäuren auch auf andere Körperfunktionen positiv ein, z.B. auf das Herz und das Immunsystem.

 

Quelle: Ondine van de Rest et al., APOE ε4 and the associations of seafood and long-chain omega-3 fatty acids with cognitive decline. In: Neurology, Online-Veröffentlichung vom 4.5.2016, doi: 10. 1212/ WNL. 0000000000002719.